W9 '19 Trennung

 

„Die graue Weisheit imponiert,

Leben kannste nich' studieren.

Streicheln Katzen in fremden Fenstern,

Hinterlassen Tatzen in den Gassen wie Gespenster,

Uns're Schatten tanzen durch die Ghettos wie zwei Gangster,

Was wir haben, haben wir auch noch als Rentner.“

(Songtextauszug aus ‚Sardinien‘ von Fynn Kliemann)

 

 

 

 

In dieser Woche geht es um Trennungen. Heute gibt es dazu mal keinen informativen Artikel, sondern die Geschichte von Tanja*. (*Name zum Zweck der Anonymisierung geändert, die Person möchte unerkannt bleiben, das respektieren wir natürlich. Durch den folgenden Text lässt sich nicht auf eben dieser Identität rückschließen. Wir bitten auch die LeserInnen, das zu achten und mit Respekt zu behandeln.) Tanjas Biografie liest sich wie die klassische Coach-Laufbahn. In ihrer Jugend kämpft sie mit Mobbing, in ihr manifestiert sich die Überlebensstrategie, immer zu sein, was ins Schema oder was anderen passt. Sie lebt, was sozial erwünscht ist und verliert sich dabei. Nach einer gescheiterten Beziehung sagt sie sich selbst: „Bei dem Nächsten, mit dem ich zusammen bin, bleibe ich.“ Und gesagt getan. Heute meint Tanja, sie hätte nicht aus Liebe, sondern aus Dankbarkeit geheiratet. Das wirft sie aber weder sich noch sonst irgendwem vor. Die Beziehung und Ehe bestand für 25 Jahre. Ihr halbes Leben hat sie sich unbewusst etwas vorgemacht. 

 

Irgendwann drängte sich das Gefühl in ihr auf, genauer herauszufinden, wer sie „wirklich“ ist. Also macht sie einen Haufen Persönlichkeitstests, wird ein Jahr von einem Coach begleitet, bis sie schließlich iTYPE begegnet. Durch ihr Testergebnis versteht sie sich auf einmal besser und erkennt, dass sie hinter einer Maske lebt. Daraufhin schult sie ihre Selbstreflexion gezielt und begreift mehr und mehr, dass sie ein Leben lebt, das nicht ihres ist. Sie will Coach werden, lässt sich ausbilden und macht sich selbstständig. Diese bereichernde Selbsterkenntnis will sie anderen weitergeben und lässt sich als iTYPE-Beraterin zertifizieren. Mitten in diesem Prozess begreift sie allerdings auch, dass ihre Ehe sie nicht glücklich macht...

 

Durch lange Telefonate und einige inspirierende Gespräche ist dieser Text über ihre Trennung, die sich drei Jahre hinzog, ihren Weg zurück ins Leben und ihren heutigen Blick auf die Dinge entstanden:

 

Ich habe fest gedacht, dass der Glaubenssatz: ‚Bis dass der Tod euch scheidet‘ nicht mehr geändert werden kann und das einfach hingenommen. Als ich mich trennte, konnte er es nicht verstehen und hat immer wieder gesagt: ‚Aber warum bist du denn nicht glücklich, du hast doch alles bekommen, was du wolltest.‘ Auch unsere Freunde meinten wiederholt: ‚Ihr habt doch so gut zusammen gepasst und es war doch alles gut.‘ Es gab kein Schreien zwischen uns, keinen Streit, trotzdem sind wir einfach aneinander gescheitert und haben uns mehr an uns gezehrt, als genährt. Wahrscheinlich hat keiner so richtige Fehler gemacht, wahrscheinlich haben wir uns einfach verpasst, weil ich schon zwei Schritte zu weit in der Veränderung stand. Ich brauchte die Entwicklung, er suchte die endlose Harmonie und Routinen. So verpulverten wir Energie bis zu dem Tag, an dem trotz aller Hürden feststand, wir können das so nicht weiter machen. Kurz davor krank zu werden, von all den unausgesprochenen Dingen, die noch ‚unter dem Teppich lagen‘, wollte ich nur noch raus, doch wusste nicht wohin. Er war fest angestellt, ich stand noch am Anfang meiner Selbstständigkeit. Unabhängig davon, dass ich mir nicht leisten konnte, einfach zu gehen, fragte ich mich außerdem, wie ich es übers Herz bringen würde, meine Kinder zurück zu lassen. Für mich stand sofort fest, dass ich sie nicht aus ihrem gewohnten Nest rausholen wollte, die Wohnung konnte ich mir allerdings allein nicht leisten. Letztlich war es meine Entscheidung, zu gehen, also suchte ich mir eine kleine Wohnung um die Ecke, wo ich schließlich einzog. Dort angekommen dauerte es noch fast ein Jahr bis schließlich die Dunkelheit und Einsamkeit auf mich einfiel. Alte Rucksäcke zu tragen und die Reißleine zu ziehen, erschien mir fast unerträglich.

Ein guter Freund lud mich schließlich ein, einen Urlaub auf seinem Boot in Sardinien anzunehmen. Dort auf diesem Schiff auf dem Wasser in der gefühlt endlosen Weite schwemmte die nächste Welle ein bisschen was von meinem wahren ich in mein Bewusstsein. So verstand ich wieder, wer und wie ich bin, ich begriff, was ich brauche und entschied loszulassen, was nicht dazu gehörte. An einem Tag mitten im Sommer führte ich schließlich das letzte Gespräch mit meiner vergangenen Dunkelheit bzw. ihren Anhängern und beschloss, den Lichtschalter zu drücken, um das Licht einfließen zu lassen. Ich kämpfte mich zurück zu mir und ließ alte Bekanntschaften zurück.  Mein Ex-Mann und ich bemühten uns um ein gutes Verhältnis und schafften das auch. Jeder konnte auf seine eigene Weise an unserer Erfahrung wachsen. Das war mir auch gerade wegen der Kinder wahnsinnig wichtig. Als Visionär stand ich nun vor einer leeren Leinwand. Ich fing an, meine wahren Träume zu realisieren. Unsere Trennung war keine Kurzschlussreaktion und trotzdem brauchte ich eine lange Zeit, um zu verstehen, was ich mit mir anfangen wollte. In all dieser Zeit hatte ich aber nie ein schlechtes Gewissen, ich forschte in mir und fand heraus, dass wir uns einfach nicht bereichern konnten. Diese Erkenntnis gelang mir aber auch erst im Nachhinein. Heute fühl ich mich nicht mehr fremd gesteuert und steh wieder zu mir und meiner Intuition. Schließlich lernte ich meinen heutigen Partner kennen, der mir das geben konnte, was ich benötigte. Wir stützen uns gegenseitig. Heute glaube ich, all das habe ich erleben müssen, um jetzt der Coach zu sein, der ich bin. Ich dachte, ich komm aus diesem fremden Leben nicht mehr raus, aber ich habe es geschafft.“

 

 

Tanja arbeitet heute als Coach, iTYPE-Beraterin und plant ihr erstes Buch. Sie lebt glücklich mit ihrem neuen Partner zusammen, hat ein gutes Verhältnis zu ihrem Ex-Mann und ein unverändert Vertrauensvolles zu ihren Kindern. Ihr Rat für die Liebe: „Gesteh dir ein, dass anders nicht bösartig ist, nimm dich und dein Gegenüber an und gleicht eure Werte ab. Verliere niemals die Lebensfreude und glaube daran, das Leben meint es nicht schwer – wir machen es uns nur schwer, dabei kann es so leicht sein.“

 

 

 

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Bis bald,

Liebe und Grüße,

 

Euer iTYPE-Team

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